KI für französische Anwälte: Ist das Berufsgeheimnis in Gefahr?
KI kann helfen, einen anonymisierten Entwurf zu strukturieren. Doch wenn Sie eine Mandantenakte in eine Consumer-KI einfügen, gefährden Sie das Berufsgeheimnis (secret professionnel) des französischen Anwalts.
Die Antwort passt in einen Satz. KI kann Ihnen helfen, einen anonymisierten Entwurf zu strukturieren, aber vertrauen Sie ihr niemals die Akte Ihres Mandanten an. Den Namen eines Mandanten. Ein Verfahrensdokument. Alles, was eine Partei identifiziert. In eine Consumer-KI eingefügt, verlassen diese Angaben Ihre Kanzlei. Das ist eine Offenlegung gegenüber einem Dritten. Doch das Berufsgeheimnis (secret professionnel) des französischen Anwalts ist eine der stärksten Pflichten im französischen Recht. Und nach der DSGVO bleiben Sie für die Daten Ihrer Mandanten Verantwortlicher. Es gibt eine saubere Methode: anonymisieren Sie vor jedem Prompt und stellen Sie die Werte anschließend lokal wieder her.
Secret professionnel: allgemein, absolut, unbegrenzt
Die Rechtsgrundlage ist solide. Artikel 66-5 des Gesetzes vom 31. Dezember 1971 begründet das Berufsgeheimnis des Anwalts. Es umfasst Beratungen, Korrespondenz, Aktenstücke und die vom Mandanten anvertrauten Informationen. Der Conseil national des barreaux (CNB), die Einrichtung, die den Berufsstand vertritt, betont es mit Nachdruck. Dieses Geheimnis ist allgemein, absolut und zeitlich unbegrenzt. Kein Werkzeug zur Informationsverarbeitung rechtfertigt eine Abweichung davon.
Die Sanktion ist nicht nur disziplinarischer Art. Artikel 226-13 des Strafgesetzbuchs bestraft die Offenbarung einer geheimen Information. Die angedrohte Strafe reicht bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und 15 000 Euro Geldstrafe. Hinzu kommen Verfahren der Anwaltskammer, die bis zum Ausschluss aus der Anwaltschaft gehen können. Das Geheimnis ist also keine bloße Formsache. Es ist eine Pflicht, deren Verletzung teuer zu stehen kommt.
Eine Akte in eine KI einzufügen ist eine Offenlegung gegenüber einem Dritten
Die Argumentation ist geradlinig. Eine Consumer-KI ist ein Dienst eines Dritten. Den Namen eines Mandanten oder ein Dokument dort einzufügen bedeutet, anvertraute Informationen an einen externen Akteur weiterzugeben. Diese Informationen können gespeichert, gelesen oder zum Training des Modells wiederverwendet werden. Der CNB warnt genau vor diesem Punkt. Vertrauliche Daten ohne ausreichende Garantien an eine generative KI zu übermitteln, setzt den Anwalt einem doppelten Risiko aus: der Verletzung des Geheimnisses und der Verletzung des Datenschutzrechts.
Eine Akte bündelt genau diese sensiblen Daten. Folgendes kann ein schlecht vorbereiteter Prompt offenlegen.
- Den Namen und die Kontaktdaten des Mandanten sowie die der Gegenparteien.
- Das Aktenzeichen und die Registernummer des Verfahrens.
- Die anvertrauten Sachverhalte, die Aktenstücke, die geschützte Korrespondenz.
- Die personenbezogenen Daten Dritter, die in der Akte genannt werden.
Zum Geheimnis kommt die DSGVO hinzu. Für die Daten seines Mandanten ist der Anwalt Verantwortlicher. Die CNIL, die französische Datenschutzbehörde, ist hier eindeutig. Die DSGVO gilt uneingeschränkt für Verarbeitungen, die über KI-Systeme erfolgen. Der innovative Charakter der Technologie schafft keine Ausnahme. Die CNIL hilft dabei, die Rolle jedes Akteurs zu bestimmen: Verantwortlicher, gemeinsam Verantwortlicher oder Auftragsverarbeiter. Sie stellt außerdem Anforderungen an Zweckbindung, Datenminimierung und Überprüfung.
KI-Halluzinationen: ein dokumentiertes rechtliches Risiko
Das zweite Risiko ist die Zuverlässigkeit. Eine generative KI kann eine Entscheidung, eine Fundstelle, ein Zitat erfinden. Man spricht von einer Halluzination. In der juristischen Arbeit ist die Folge gravierend. Gerichte haben Anwälte deswegen bereits sanktioniert.
Die am besten dokumentierten Fälle stammen aus den Vereinigten Staaten. Im Fall Mata v. Avianca reichten Anwälte 2023 einen Schriftsatz ein, der von Zitaten vollständig erfundener Rechtsprechung durchsetzt war, erzeugt von einem generativen Werkzeug. Es folgten Geldstrafen, insbesondere in Kalifornien. Die Lehre gilt auch für Frankreich. Jede Ausgabe einer KI verlangt eine systematische menschliche Überprüfung. Ein Anwalt bleibt für das verantwortlich, was er unterschreibt.
| Irrtum | Die Realität |
|---|---|
| „Eine Akte in die KI einzufügen bleibt unter uns“ | Es ist eine Offenlegung gegenüber einem Dritten; der CNB warnt vor einer Verletzung des Geheimnisses |
| „Die DSGVO gilt nicht für KI“ | Die CNIL stellt klar, dass die DSGVO uneingeschränkt für Verarbeitungen über KI gilt |
| „Was die KI zitiert, ist zwangsläufig korrekt“ | Halluzinationen haben zur Sanktionierung von Anwälten geführt (Mata v. Avianca, 2023) |
| „Das Geheimnis erlischt irgendwann“ | Artikel 66-5 legt es als allgemein, absolut und zeitlich unbegrenzt fest |
Die Lösung: vor jedem Prompt anonymisieren
Gute Nachricht: KI bleibt für die Kanzlei nützlich. Sie hilft, eine Argumentation zu strukturieren. Sie formuliert einen Absatz um, schlägt eine Gliederung vor, klärt einen Begriff. Dafür braucht sie keinen echten Namen. Arbeiten Sie an einem anonymisierten Entwurf. Halten Sie Namen, Parteien und identifizierende Angaben aus dem Prompt heraus.
Wenn Sie einen konkreten Fall beschreiben müssen, anonymisieren Sie ihn zuerst. Ersetzen Sie jedes identifizierende Element durch ein Token. Die KI denkt über die Struktur der Akte nach, ohne jemals die echten Werte zu sehen. Anschließend stellen Sie die echten Daten lokal wieder her. Das Geheimnis verlässt niemals Ihren Rechner. Diese Vorsicht steht im Einklang mit dem Berufsethos.
- 1Erkennen Sie die identifizierenden Elemente: Namen, Parteien, Aktenzeichen, Dokumente.
- 2Ersetzen Sie sie durch umkehrbare Token, im Browser.
- 3Senden Sie nur den anonymisierten Text an die KI.
- 4Stellen Sie die echten Werte in der Antwort lokal wieder her und überprüfen Sie anschließend jede Fundstelle.
Genau dafür ist ONYRI Sanitize da. Die Engine erkennt sensible Daten — Namen, Kontaktdaten, Aktenzeichen, Beträge — und ersetzt sie vor dem Senden durch umkehrbare Token. Die Erkennung und das Mapping bleiben in Ihrem Browser. Nur anonymisierter Text erreicht das Modell. Die KI findet dort nur Token, niemals die Identität Ihrer Mandanten. Sie erhalten die Hilfe der KI, ohne das Berufsgeheimnis (secret professionnel) preiszugeben, das der CNB und das Gesetz von Ihnen zu wahren verlangen.
Häufig gestellte Fragen
- KI für französische Anwälte: Ist das Berufsgeheimnis in Gefahr?
- Ja, wenn Sie eine Akte in eine Consumer-KI einfügen. Das ist eine Offenlegung gegenüber einem Dritten, und das Berufsgeheimnis (secret professionnel) des Anwalts ist allgemein, absolut und zeitlich unbegrenzt (Artikel 66-5 des Gesetzes vom 31. Dezember 1971). Seine Verletzung wird durch Artikel 226-13 des Strafgesetzbuchs bestraft. Doch KI bleibt bei einem anonymisierten Entwurf nützlich: anonymisieren Sie Namen und identifizierende Angaben vor jedem Prompt.
- Darf ich eine Mandantenakte in ChatGPT einfügen?
- Besser nicht. Eine Consumer-KI ist ein Dienst eines Dritten; ihr den Namen eines Mandanten oder ein Dokument zu übergeben kann das Berufsgeheimnis verletzen. Der CNB warnt vor diesem Risiko, und die CNIL stellt klar, dass die DSGVO uneingeschränkt für Verarbeitungen über KI gilt. Wenn Sie einen Fall beschreiben müssen, ersetzen Sie zuerst jedes identifizierende Element durch ein Token.
- Kann KI helfen, ohne meine Mandanten preiszugeben?
- Ja. KI kann bei einem anonymisierten Entwurf eine Argumentation strukturieren, umformulieren oder eine Gliederung vorschlagen. Dafür braucht sie keinen echten Namen. Überprüfen Sie auch jede Fundstelle, die sie zitiert: Halluzinationen haben bereits zur Sanktionierung von Anwälten geführt, wie im Fall Mata v. Avianca 2023.
Quellen & Referenzen
- Der CNB stimmt für die Stärkung des Berufsgeheimnisses (secret professionnel) des Anwalts und schlägt Gesetzesänderungen vor — Conseil national des barreaux (CNB)
- KI und DSGVO: Die CNIL veröffentlicht ihre Empfehlungen (die DSGVO gilt uneingeschränkt für Verarbeitungen über KI) — CNIL
- Anwälte im Umgang mit den Halluzinationen von Konversationsagenten (systematische menschliche Überprüfung) — LexisNexis France
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