Dürfen Sie einen französischen Kbis-Auszug in ein KI-Tool eingeben?
Ja, technisch schon. Ein Kbis ist ein öffentliches Register-Dokument: Das Risiko ist nicht das Dokument, sondern die personenbezogenen Daten des Geschäftsführers und der Kontext, den Sie darum herum ergänzen.
Ja, Sie können einen französischen Kbis-Auszug technisch in ein KI-Tool wie ChatGPT einfügen. Und nein, es ist nicht die Katastrophe, die man sich vorstellt. Ein Kbis ist ein öffentliches Dokument: Jeder kann ihn beim Handelsregister (le greffe du tribunal de commerce) über Infogreffe bestellen. Die darin enthaltenen Informationen sind also nicht geheim. Das eigentliche Risiko ist nicht der Kbis selbst. Es ist das, was Sie darum herum ergänzen: der Name des Geschäftsführers, eine Privatadresse und vor allem der Kontext Ihrer Anfrage.
Der Irrtum: „Ein Kbis ist vertraulich“
Viele Geschäftsführer glauben, sie dürften ihren Kbis niemals zeigen. Das ist falsch. Der Kbis ist der amtliche Nachweis, der die Eintragung eines Unternehmens im Handels- und Gesellschaftsregister (le Registre du commerce et des sociétés, kurz RCS) belegt. Er wird vom Handelsregister über Infogreffe ausgestellt und beglaubigt. Vor allem aber ist er öffentlich.
In der Praxis kann sich jeder einen beschaffen. Der Geschäftsführer erhält ihn online für sein Unternehmen. Auch ein Dritter kann ihn bei Infogreffe oder beim Register bestellen. Eine erwähnenswerte Randnotiz: Seit dem 1. Januar 2023 verlangt die französische Verwaltung ihn bei behördlichen Vorgängen nicht mehr systematisch. Der Auszug aus dem nationalen Unternehmensregister (dem RNE) ersetzt ihn mit gleichwertigem Inhalt nun als Nachweis.
Was ein Kbis tatsächlich enthält
Ein Kbis bündelt die Identifikationsdaten eines Unternehmens. Typischerweise finden Sie darin:
- Den Firmennamen und die Rechtsform (SARL, SAS, SA…).
- Die SIREN-Nummer (die neunstellige Kennung des Unternehmens).
- Das Stammkapital und die Anschrift des Firmensitzes.
- Die angemeldete Geschäftstätigkeit des Unternehmens.
- Die Identität des oder der Geschäftsführer (der gesetzlichen Vertreter).
Eine kleine Anmerkung zum Vokabular. Bei einer Gesellschaft (SAS, SARL, SA…) spricht man von einem extrait Kbis. Bei einer natürlichen Person — einem Einzelunternehmer oder einer micro-entreprise — ist es ein extrait K. Im Alltag sagt man „Kbis“ für beide.
Der eigentliche Knackpunkt: die Daten des Geschäftsführers und der Kontext
Wenn das Dokument öffentlich ist, wo liegt dann das Risiko? Es beruht auf drei sehr realen Dingen. Keines davon betrifft die Vertraulichkeit des Kbis als solchem.
Erstens enthält ein Kbis personenbezogene Daten. Laut der CNIL sind personenbezogene Daten alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen. Der Name eines Geschäftsführers gehört dazu, selbst in einem beruflichen Kontext. Bei einer micro-entreprise, die am Wohnsitz des Inhabers angemeldet ist, kann die Anschrift des Firmensitzes zugleich die Privatadresse sein. Diese Angabe ist heikler als der Firmenname allein.
Zweitens kommt das Risiko vor allem aus dem Kontext, den Sie ergänzen. Ein Kbis für sich genommen ist neutral. Aber man fügt einen Kbis selten „einfach so“ ein. Man verbindet ihn mit einer Situation: einem Rechtsstreit mit diesem Geschäftsführer, einem Kreditantrag, einer Verhandlung, einer Beurteilung einer Person. Es ist dieser Kontext, der heikel wird, nicht der Kbis.
Drittens gibt es die Kombination. Die CNIL weist darauf hin, dass eine Person indirekt identifiziert werden kann, durch das Verknüpfen mehrerer Daten. Einen Kbis mit anderen Informationen zu verbinden, stellt bereits eine Verarbeitung personenbezogener Daten im Sinne der DSGVO dar. Und alles, was Sie einfügen, gelangt in die Verarbeitung des KI-Anbieters.
| Element | Status | Vor der KI anonymisieren? |
|---|---|---|
| Firmenname, SIREN, Rechtsform | Öffentlich, nicht geheim | Nicht nötig |
| Geschäftstätigkeit und Sitz einer Gesellschaft | Öffentlich | Nicht nötig |
| Name des Geschäftsführers | Personenbezogene Daten | Ja |
| Privatadresse (Sitz am Wohnsitz) | Heiklere personenbezogene Daten | Ja |
| Ergänzter Kontext (Rechtsstreit, Kredit, Beurteilung) | Nicht öffentlich, heikel | Ja, zuerst |
Die Lösung: den Geschäftsführer und den Kontext anonymisieren
Gute Nachricht: Sie können einen Kbis mit KI bearbeiten. Sie müssen nur trennen, was öffentlich ist und was nicht. So gehen Sie dabei vor:
- 1Behalten Sie, was nützlich und neutral ist: die Rechtsform, die Geschäftstätigkeit, die Logik der Struktur.
- 2Anonymisieren Sie den Namen des Geschäftsführers und dessen Privatadresse, wenn der Sitz an seinem Wohnsitz liegt.
- 3Neutralisieren Sie vor allem den heiklen Kontext, den Sie beifügen: den Rechtsstreit, die Kredithöhe, die Verhandlung, die Beurteilung einer Person.
- 4Senden Sie den anonymisierten Prompt und stellen Sie dann die echten Werte in der Antwort auf Ihrer Seite wieder her.
„Ein Kbis ist öffentlich, also gibt es kein Risiko“ — wirklich?
Das ist der klassische Einwand, und er ist halb richtig. Ja, das Dokument ist öffentlich: Niemand wird Ihnen vorwerfen, einen Kbis „preiszugeben“. Aber Ihre Situation darum herum ist nicht öffentlich. Der Rechtsstreit, den Sie schildern, der Kredit, den Sie aushandeln, die Beurteilung, die Sie über diesen Geschäftsführer abgeben: Nichts davon ist beim Register aktenkundig. Es ist dieser Inhalt, der Ihre Vorsicht verdient, nicht die neun Ziffern der SIREN.
Genau das leistet ONYRI Sanitize. Die Engine erkennt den Namen des Geschäftsführers, eine Privatadresse und den heiklen Kontext und ersetzt sie vor dem Senden durch umkehrbare Token. Die Erkennung und die Zuordnung Token↔Wert bleiben in Ihrem Browser — nur anonymisierter Text erreicht die KI. Das Modell antwortet, und Sie stellen die echten Werte auf Ihrer Seite wieder her. Sie nutzen das Tool weiterhin, während Sie die Exposition der personenbezogenen Daten des Geschäftsführers und Ihres Kontexts verringern.
Häufig gestellte Fragen
- Dürfen Sie einen französischen Kbis-Auszug in ein KI-Tool wie ChatGPT eingeben?
- Ja, technisch schon. Ein Kbis ist ein öffentliches Dokument: Jeder kann ihn beim Handelsregister über Infogreffe bestellen, seine Informationen sind also nicht geheim. Das eigentliche Risiko kommt nicht vom Kbis, sondern vom Namen des Geschäftsführers, einer möglichen Privatadresse und vor allem vom Kontext, den Sie dem Prompt hinzufügen. Der richtige Reflex: diese Elemente vor dem Senden anonymisieren.
- Ist ein Kbis vertraulich?
- Nein. Ein Kbis ist ein öffentliches Dokument, das vom Handelsregister über Infogreffe ausgestellt wird. Der Geschäftsführer beschafft ihn für sein Unternehmen, und auch ein Dritter kann ihn bestellen. Seine Informationen — Firmenname, SIREN, Sitz, Geschäftstätigkeit, Geschäftsführer — sind nicht geheim. Für dieses Dokument besteht keine Vertraulichkeitspflicht.
- Welche Kbis-Daten sollten Sie vor der KI schützen?
- Vor allem den Namen des Geschäftsführers, personenbezogene Daten im Sinne der CNIL-Definition, und dessen Privatadresse, wenn der Sitz an seinem Wohnsitz liegt (bei einer micro-entreprise häufig). Und vor allem den Kontext, den Sie ergänzen: Rechtsstreit, Kreditantrag, Verhandlung, Beurteilung einer Person. Es ist diese Kombination, die in die Verarbeitung des KI-Anbieters gelangt, die Sie minimieren sollten.
Quellen & Referenzen
- So erhalten Sie einen K- oder Kbis-Auszug (service-public-Merkblatt) — Service-public / Code du travail numérique
- So laden Sie einen Kbis-Auszug herunter (FAQ des Annuaire des Entreprises) — Annuaire des Entreprises / data.gouv.fr (DINUM)
- Personenbezogene Daten — Definition — CNIL
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