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Sind KI-Tastaturen sicher? Was Ihre Handytastatur sieht

Eine Tastatur sieht jeden Tastenanschlag. Auf iOS hat sie keinen Netzwerkzugriff, solange Sie „Allow Full Access“ nicht aktivieren. Was dieser Schalter ändert und wie Sie sicher bleiben.

Von Pierre de ONYRI
Besorgt um Ihre Daten? Anonymisieren Sie sie vor der KI

Die meisten KI-Tastaturen sind standardmäßig sicher – und das ganze Gewicht liegt auf dem Wort „standardmäßig“. Auf iOS führt Apple eine Tastatur von Drittanbietern in einer isolierten Sandbox ohne Netzwerkzugriff aus. Die Entwicklerdokumentation ist eindeutig. Ohne Full Access gehen Ihre Tastenanschläge nur an die App, in die Sie gerade schreiben. Aktivieren Sie „Allow Full Access“, endet diese Garantie. Die Tastatur kann Ihre Tastenanschläge dann an einen Server senden. Genau so funktioniert KI-Schreibhilfe aus der Cloud. Und genau so hat eine Tastatur namens ai.type im Jahr 2017 Daten von rund 31 Millionen Nutzern offengelegt. Die Regel passt in einen Satz: Wissen Sie, ob der Schalter aktiv ist, und wissen Sie, warum.

Eine Tastatur sieht jeden Tastenanschlag – das ist ihre Aufgabe

Eine Tastatur ist die App mit den meisten Rechten auf Ihrem Handy. Das ist kein Konstruktionsfehler. Das ist ihre Aufgabe. Jede Nachricht läuft durch sie hindurch. Jede Suche auch. Jedes Passwortfeld. Jede Notiz, die Sie in eine Banking-App tippen. Nichts anderes auf dem Gerät nimmt diese Position ein.

Die richtige Frage lautet also nie „sieht die Tastatur meinen Text“. Sie sieht ihn immer. Die eigentliche Frage liegt woanders. Kann sie diesen Text irgendwohin senden? Auf iOS hängt die Antwort an einem einzigen Schalter.

„Allow Full Access“: der Schalter, der alles verändert

Apples Entwicklerdokumentation beschreibt das Standardverhalten ohne jede Zweideutigkeit. Eine benutzerdefinierte Tastatur läuft in einem isolierten Prozess in der Sandbox. Ihre Standardkonfiguration blockiert den Netzwerkzugriff vollständig. Apple stellt fest, dass die Tastenanschläge dann nur an die App gehen, in die gerade geschrieben wird. Sie können nicht an den Server des Entwicklers zurückgesendet werden. Die Tastatur erhält weiterhin ein Lexikon gängiger Wörter für Autokorrektur und Vorschläge. Sie erhält kein Mikrofon. Sie erhält kein Dateisystem über ihren eigenen Container hinaus.

„Allow Full Access“ ist die Einstellung, die diese Garantie aufhebt. Sie finden sie in den Einstellungen Ihres iPhones. Der Entwickler stimmt auf der Code-Seite zu, über einen Schalter namens RequestsOpenAccess. Sobald Sie ihn umlegen, gewinnt die Tastatur echte Macht.

  • Sie kann Ihre Tastenanschläge und andere Eingabeereignisse zur Verarbeitung an einen Server senden.
  • Sie kann mit Ihrer Erlaubnis auf die Ortungsdienste und Ihre Kontakte zugreifen.
  • Sie teilt sich einen Container mit ihrer übergeordneten App.
  • Klar gesagt: Ihre Tastenanschläge werden für den Entwickler der Tastatur zugänglich.

Cloud oder auf dem Gerät: Hier verändert die KI das Bild

KI auf dem Gerät verarbeitet Ihren Text auf dem Handy. Nichts wird übertragen. Cloud-KI ist eine ganz andere Sache. Ihr Text wandert zu einem Server, wird verarbeitet und kommt dann zurück. Diese Reise ist das ganze Risiko. Im ersten Fall existiert sie nicht.

Apple benennt die Erwartung der Nutzer sehr deutlich. Menschen wollen, dass ihre Tastenanschläge in dem Feld landen, in das sie schreiben. Nicht auf einem Server. Nicht in einem Archiv. Wo eine Tastatur doch Tastenanschlagsdaten an einen Server sendet, fordert Apple die Entwickler auf, sie nicht aufzubewahren. Gerade lange genug, um den Text zurückzugeben oder eine dem Nutzer angekündigte Funktion zu liefern – und nicht länger.

Diese Übertragungsfläche ist nicht theoretisch. Das Citizen Lab untersuchte 2024 cloudbasierte Pinyin-Tastaturen von neun Anbietern. Acht der neun hatten Schwachstellen, die es einem Lauscher im Netzwerk erlaubten, Tastenanschläge zu rekonstruieren. Nur ein Anbieter setzte TLS, die Transportverschlüsselung, korrekt ein. Die Forscher schätzten, dass bis zu einer Milliarde Nutzer betroffen sein könnten. Ihr Rat an die Nutzer war direkt: Ziehen Sie eine Tastatur in Betracht, die vollständig auf dem Gerät läuft.

Beachten Sie den Umfang dieser Studie. Sie betrachtete eine bestimmte Familie von Tastaturen, nicht den gesamten Markt. Die Lehre gilt trotzdem. Die Verarbeitung in der Cloud schafft eine Angriffsfläche, die die lokale Verarbeitung nicht hat.

Was ist mit Passwortfeldern? Der Irrglaube, den es zu korrigieren gilt

Man liest oft, dass Tastaturen von Passwortfeldern ausgesperrt sind. Seien Sie mit dieser Aussage vorsichtig. Die Entwicklerdokumentation von Android sagt das Gegenteil. Ein IME (Input Method Editor, der technische Name für eine Tastatur unter Android) empfängt sehr wohl Passwortfelder. Google dokumentiert die Feldvariante, die ein IME behandeln muss. Es fordert Entwickler auf, das Passwort in der Eingabeansicht und in den Vorschlägen zu verbergen. Es fordert sie außerdem auf, Passwörter nicht auf dem Gerät zu speichern. Das sind Verhaltensregeln, keine Mauer.

Android sagt es auch laut. Wenn Sie eine Tastatur von Drittanbietern aktivieren, warnt das System Sie. Es teilt Ihnen mit, dass die Eingabemethode den gesamten von Ihnen getippten Text erfassen kann. Es nennt personenbezogene Daten wie Passwörter und Kreditkartennummern. Auf iOS bezieht sich Apples überprüfbare Garantie auf die Berechtigung, nicht auf die Feldtypen. Vertrauen Sie also der Grenze, die Sie überprüfen können. Diese Grenze heißt Full Access.

ai.type, 2017: was eine Tastatur preisgeben kann

Die Geschichte liefert uns ein sehr klares Beispiel. Im Dezember 2017 fanden Forscher des Kromtech Security Center eine weit offen stehende Datenbank. Sie gehörte ai.type, einer damals beliebten Tastatur von Drittanbietern. Kein Passwort schützte sie. Wer sie fand, konnte sie lesen.

Die ai.type-Datenpanne (2017)Was gefunden wurde
Die DatenbankAuf MongoDB gehostet, ganz ohne Passwort erreichbar
Das VolumenRund 577 GB Daten
Die PersonenEtwa 31 Millionen Nutzer
Die DatenartenE-Mail-Adressen, Telefonnummern, präziser Standort, installierte Apps
Die abgegriffenen KontakteEine separate Tabelle mit 374,6 Millionen Telefonnummern
Die VerbreitungRund 40 Millionen Downloads bei Google Play
Zahlen, die vom Kromtech Security Center entdeckt und von Bitdefender berichtet wurden. ai.type war vor allem eine Android-Anwendung.

Zwei Details verdienen Beachtung. Die Liste der installierten Apps enthielt Banking- und Dating-Anwendungen. Und Berichte wiesen darauf hin, dass die Version ohne Abo mehr Daten sammelte als die kostenpflichtige, im Dienste zielgerichteter Werbung. Artikel aus jener Zeit beschrieben außerdem eine Tabelle mit getipptem Text. Wir halten uns an die Zahlen, die wir bestätigen konnten.

Nach EU-Recht ist nichts davon eine Grauzone. Die DSGVO definiert personenbezogene Daten in Artikel 4(1). Sie umfasst alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare Person beziehen. Der Text nennt Standortdaten und Online-Kennungen unter diesen Kennungen. Erwägungsgrund 30 ergänzt, dass Geräte und Anwendungen eigene Kennungen liefern. In Kombination mit weiteren Informationen, die auf einem Server eintreffen, können sie eine Person profilieren und identifizieren. Der ai.type-Datenabzug ist genau dieses Szenario.

Eine ehrliche Einschränkung. ai.type stammt aus dem Jahr 2017 und ist keine aktuelle Nachricht. Lesen Sie es als Beleg für das strukturelle Risiko, nicht als Urteil über eine heute verkaufte Tastatur.

Die richtigen Gewohnheiten, in sechs Schritten

Die Checkliste ist kurz. Und sie hat einen seltenen Vorzug: Die Plattformanbieter empfehlen sie selbst.

Diagramm mit zwei Spuren: links sendet ein Handy mit Bildschirmtastatur Tastenanschlag-Chips nach oben, mehrere in Bernstein, vorbei an einem Schlüsselsymbol für „full access“ und hinein in eine dunkle Wolke, die sie empfängt; rechts behält dasselbe Handy seine Tastenanschläge innerhalb einer Eingrenzungslinie als kobaltblaue Token-Chips, mit einem kobaltblauen Häkchen über dem Gerät.
Nach Apples Entwicklerdokumentation zum offenen Zugriff für benutzerdefinierte Tastaturen, dem Bitdefender-Bericht über den ai.type-Vorfall (Kromtech Security Center) und der DSGVO (EUR-Lex).
  1. 1Bevorzugen Sie die integrierte Tastatur Ihres Handys. Sie ist die Standardeinstellung, und das ist kein Zufall.
  2. 2Öffnen Sie auf iOS Einstellungen > Allgemein > Tastatur. Prüfen Sie, ob „Allow Full Access“ aktiv ist, und fragen Sie sich, was es Ihnen bringt.
  3. 3Bevorzugen Sie eine Tastatur, die den Text auf dem Gerät verarbeitet. Das ist die Empfehlung des Citizen Lab selbst.
  4. 4Lesen Sie die Datenschutzerklärung der Tastatur, bevor Sie ihr vertrauen. Achten Sie darauf, was das Handy verlässt.
  5. 5Tippen Sie niemals Geheimnisse in eine Tastatur, der Sie nicht vertrauen: Passwörter, Kartennummern, Wiederherstellungscodes.
  6. 6Auf einem geteilten oder beruflichen Handy bleiben Sie bei der Originaltastatur.

Die Tastatur ist die reinste Form des Problems, das ONYRI Sanitize adressiert: Text verlässt das Gerät, um von einem Modell verarbeitet zu werden. Apples Architektur liefert das Argument bereits für uns. Standardmäßig kein Netzwerk und eine Berechtigung, die Sie bewusst erteilen müssen. ONYRI Sanitize bewahrt diese Grenze, wenn Sie doch ein Cloud-Modell nutzen. Die Engine erkennt sensible Daten in Ihrem Browser und ersetzt sie durch umkehrbare Token. Nur anonymisierter Text erreicht das Modell. Das Mapping verlässt niemals Ihren Rechner. Sie erhalten die KI-Hilfe, und Ihre Geheimnisse bleiben Ihre.

Häufig gestellte Fragen

Sind KI-Tastaturen sicher?
Standardmäßig ja – und der Standard ist das, was zählt. Auf iOS führt Apple eine Tastatur von Drittanbietern in einer Sandbox ohne Netzwerkzugriff aus. Ohne „Allow Full Access“ gehen Ihre Tastenanschläge nur an die App, in die Sie schreiben. Aktivieren Sie diese Einstellung, kann die Tastatur Ihre Tastenanschläge an einen Server senden. Der eigentliche Prüfstein ist also nicht die Marke der Tastatur. Es geht darum, ob der Schalter aktiv ist und ob die KI in der Cloud oder auf dem Gerät läuft.
Was macht „Allow Full Access“ eigentlich?
Es hebt die Isolationsgarantie der Tastatur auf. Laut Apples Dokumentation kann eine Tastatur mit offenem Zugriff Ihre Tastenanschläge und andere Eingabeereignisse zur Verarbeitung an einen Server senden. Sie kann mit Ihrer Erlaubnis auch auf die Ortungsdienste und Ihre Kontakte zugreifen und sich einen Container mit ihrer übergeordneten App teilen. Apple warnt in seiner eigenen Dokumentation, dass dies nicht leichtfertig aktiviert werden sollte, weil Tastaturen einige der sensibelsten Nutzerdaten verarbeiten.
Kann eine Handytastatur meine Passwörter sehen?
Unter Android bestätigt die Dokumentation von Google, dass ein IME sehr wohl Passwortfelder empfängt. Sie fordert Entwickler auf, das Passwort zu verbergen und nicht zu speichern – das sind Verhaltensregeln, keine technische Sperre. Das System warnt Sie außerdem, dass eine Tastatur von Drittanbietern alles erfassen kann, was Sie tippen, Passwörter und Kartennummern eingeschlossen. Auf iOS ist der überprüfbare Schutz die Full-Access-Berechtigung, nicht der Feldtyp. Tippen Sie niemals ein Geheimnis in eine Tastatur, die Sie nicht kennen.

Quellen & Referenzen

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